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Die erste Doppelstunde mit Vibe Coding planen

Wie Sie eine erste Doppelstunde Vibe Coding aufbauen: lesen vor schreiben, prüfen statt staunen und Datenschutz von Anfang an mitdenken.

Viele Informatiklehrkräfte kennen die Situation: Eine Schülerin zeigt stolz ein fertiges Quiz-Programm, und auf die Frage, wie die Auswertung funktioniert, kommt ein Schulterzucken. Der Code stammt von ChatGPT, Claude oder Copilot. Verbieten lässt sich das kaum noch. Die bessere Frage lautet: Wie sieht eine erste Doppelstunde aus, in der Lernende mit KI Code erzeugen und trotzdem etwas über Programme lernen?

Dieser Beitrag beschreibt, worauf es bei der Planung ankommt. Er stützt sich auf erprobte Programmierdidaktik und auf die aktuelle Debatte darüber, warum Programmieren lernen auch mit KI wichtig bleibt.

Ausgangspunkt: Lesen kommt vor Schreiben

Ein hilfreicher Bezugspunkt ist PRIMM, ein Ansatz aus der Forschung der Raspberry Pi Foundation. Die fünf Buchstaben stehen für Predict, Run, Investigate, Modify und Make. Die Idee dahinter: Anfängerinnen und Anfänger schreiben nicht gleich eigenen Code und tippen auch keinen Code ab. Sie lesen zuerst ein funktionierendes Programm, sagen voraus, was es tun wird, führen es aus und vergleichen das Ergebnis mit ihrer Vermutung. Danach untersuchen sie den Code Zeile für Zeile, ändern ihn in kleinen Schritten und bauen erst am Ende etwas Eigenes.

Für Vibe Coding ist das ein dankbares Gerüst. Wenn die KI den Code erzeugt, liegt sofort ein lauffähiges Programm auf dem Tisch. Genau dort setzt PRIMM an: beim Lesen, Vorhersagen und Erklären von fremdem Code. Die Rolle der Lernenden verschiebt sich von „Code eintippen“ zu „Code verstehen und verantworten“.

Bemerkenswert ist, dass PRIMM nicht nur ein Bauchgefühl ist. In einer größeren Studie mit 13 Lehrkräften und 493 Schülerinnen und Schülern schnitt die Gruppe, die nach PRIMM unterrichtet wurde, im Nachtest besser ab als die Kontrollgruppe. Die beteiligten Lehrkräfte berichteten außerdem von mehr fachlich gehaltvollen Gesprächen zwischen den Lernenden.

Ein möglicher Ablauf in vier Phasen

Aus diesen Überlegungen ergibt sich ein Aufbau, der auch unserem kostenlosen Entwurf für die erste Doppelstunde zugrunde liegt:

  1. Einstieg: Die Klasse klärt gemeinsam, was eine kleine App können soll, zum Beispiel ein Quiz zu einem Thema aus dem laufenden Fachunterricht. Wichtig ist die zweite Frage: Woran erkennen wir, dass die App richtig arbeitet?
  2. Bauen: In Paaren beschreiben die Lernenden in eigenen Worten, was das Programm tun soll, und lassen die KI den Code erzeugen. Ohne Schülerkonten funktioniert das als gemeinsame Demonstration am Gerät der Lehrkraft.
  3. Prüfen: Bevor jemand das Ergebnis feiert, wird getestet. Die Lernenden sagen vorher, was bei bestimmten Eingaben passieren müsste, geben gezielt auch falsche Eingaben ein und suchen mindestens einen Fehler. Diesen Fehler erklären sie in eigenen Worten.
  4. Reflexion: Ein kurzer Eintrag in einem Prompt-Tagebuch hält fest, was die KI gemacht hat, was die Lernenden selbst beigetragen haben und was sie beim nächsten Mal genauer beschreiben würden.

Die Phase „Prüfen“ ist das Herzstück. Wenn Zeit knapp wird, kürzen Sie lieber beim Bauen als beim Prüfen.

Warum das Programmieren trotzdem im Mittelpunkt bleibt

Gerade Kolleginnen und Kollegen außerhalb der Informatik fragen oft, ob sich Programmieren lernen überhaupt noch lohnt. Die Raspberry Pi Foundation hat dazu ein Positionspapier veröffentlicht und argumentiert klar dafür. Sprachmodelle arbeiten probabilistisch und liefern statistisch plausible Ergebnisse, nicht automatisch richtige. Es braucht also Menschen, die Code beurteilen, Probleme lösen und Verantwortung übernehmen können. Und dieses Urteilsvermögen entsteht durch die anstrengende Arbeit des Lesens, Veränderns, Schreibens, Erklärens und Testens von Code.

Für die erste Doppelstunde heißt das: Die KI darf den Code schreiben, aber die Denkarbeit bleibt bei den Lernenden. Welche Lernziele sich daraus für den weiteren Informatikunterricht ergeben, beschreibt der Beitrag Welche Lernziele bleiben, wenn die KI den Code schreibt.

Datenschutz vor der ersten Stunde klären

Bevor die Lerngruppe startet, sollten einige Fragen geklärt sein. Ist das Werkzeug laut Nutzungsbedingungen für die Altersgruppe zugelassen? Braucht die Stunde überhaupt Schülerkonten, oder reicht eine Demonstration über das Lehrkraft-Gerät beziehungsweise ein Zugang, den Land oder Schulträger bereitstellen? Ist der Dienst an Ihrer Schule freigegeben?

Eine Regel gilt immer: Keine personenbezogenen Daten in Prompts, also keine Namen, Noten, Fotos oder Angaben zu Gesundheit und Familie. Offene Punkte klären Sie am besten vorab mit der oder dem Datenschutzbeauftragten Ihrer Schule. Eine Checkliste ersetzt keine Rechtsberatung, sie hilft aber, die richtigen Fragen rechtzeitig zu stellen.

Was das für Ihren Unterricht bedeutet

Sie müssen nicht warten, bis Lehrpläne und Schulregeln vollständig angepasst sind. Eine erste Doppelstunde lässt sich ab Klasse 8, in der Oberstufe und an beruflichen Schulen erproben, auch ohne Programmiervorkenntnisse der Lernenden. Entscheidend sind drei Dinge: Lesen und Vorhersagen vor dem eigenen Bauen, eine ernst genommene Prüfphase und klare Datenschutzregeln. Probieren Sie das gewählte KI-Werkzeug vorher einmal selbst aus, damit Sie typische Fehler kennen, bevor die Klasse sie findet.

Weitere Ideen für Folgestunden finden Sie unter Unterrichtsideen. Wenn nach der ersten Erprobung Fragen auftauchen, die das ganze Kollegium betreffen, etwa zu Bewertung oder gemeinsamen Regeln, lohnt sich ein Blick auf den Beitrag zum Pädagogischen Tag zu KI.

Sie möchten die Doppelstunde mit Verlaufsplan, Arbeitsblatt, Erwartungshorizont und Datenschutz-Checkliste direkt einsetzen? Fordern Sie den kostenlosen Unterrichtsentwurf an, wir schicken ihn an Ihre dienstliche Adresse.

Sie planen für die ganze Schule? Zu diesem Thema bieten wir einen Pädagogischen Tag, eine schulinterne Fortbildung oder eine Fortbildung für die Fachschaft an.

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