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Welche Lernziele bleiben, wenn die KI den Code schreibt

Wenn KI Code erzeugt, verschieben sich die Lernziele im Informatikunterricht. Welche bleiben, welche wichtiger werden und was das für Prüfungen heißt.

In vielen Fachschaften Informatik läuft gerade dieselbe Diskussion. Eine Aufgabe, die früher eine Doppelstunde gefüllt hat, erledigt ein KI-Werkzeug in Sekunden. Die Hausaufgabe „Schreibe eine Funktion, die …“ sagt kaum noch etwas darüber aus, was ein Schüler oder eine Schülerin kann. Manche Kolleginnen und Kollegen fragen sich deshalb, ob Programmieren als Lernziel überhaupt noch trägt.

Die kurze Antwort: Das Lernziel verschiebt sich, es verschwindet nicht. Dieser Beitrag ordnet ein, welche Ziele bleiben, welche wichtiger werden und was die Bildungspolitik dazu sagt.

Die Gegenposition ernst nehmen

Seit KI-Werkzeuge aus einer kurzen Beschreibung lauffähige Programme erzeugen, ist von „Vibe Coding“ die Rede. Einige Stimmen sagen sogar das Ende der Softwareentwicklung voraus. Daraus wird schnell die Frage, ob Kinder und Jugendliche überhaupt noch programmieren lernen sollten.

Die Raspberry Pi Foundation, eine der großen Organisationen für Informatikbildung, hat darauf im Juni 2025 mit einem Positionspapier geantwortet. Ihre Antwort ist ein klares Ja, begründet mit fünf Argumenten. Für die Arbeit in der Fachschaft sind vor allem zwei davon interessant.

Lernziel 1: Code beurteilen können

Das erste Argument: Auch wenn KI Code erzeugt, braucht es Menschen, die kritisch denken, Probleme lösen und ethisch begründete Entscheidungen treffen. Sprachmodelle sind probabilistische Systeme. Sie liefern Ergebnisse, die statistisch plausibel sind, aber nicht zwingend richtig. Und mehr Code in kürzerer Zeit ist nicht automatisch besser.

Für den Unterricht bedeutet das eine Verschiebung im Erwartungshorizont. Statt „Das Programm läuft“ wird wichtiger:

  • Die Lernenden können vorhersagen, was ein Programm bei bestimmten Eingaben tut.
  • Sie testen systematisch, auch mit falschen oder unerwarteten Eingaben.
  • Sie finden Fehler und erklären deren Ursache in eigenen Worten.
  • Sie begründen, warum sie einen Vorschlag der KI übernehmen oder verwerfen.

Lernziel 2: Mentale Modelle durch eigene Denkarbeit

Das zweite Argument wirkt zunächst widersprüchlich: Gerade weil KI Code schreiben kann, bleibt das eigene Programmieren unverzichtbar. Nach Auffassung der Raspberry Pi Foundation ist es der wirksamste bekannte Weg, die mentalen Modelle aufzubauen, die man für das Beurteilen von Code braucht. Diese entstehen durch die mühsame Arbeit des Lesens, Veränderns, Schreibens, Erklärens und Testens.

Für die Planung heißt das: Die KI ersetzt diese Tätigkeiten nicht, sie verschiebt nur den Einstieg. Lernende können mit einem erzeugten Programm beginnen, müssen es aber lesen, verändern und erklären. Wie das in einer ersten Stunde konkret aussieht, zeigt der Beitrag Die erste Doppelstunde mit Vibe Coding planen. Weitere Beispiele für Folgestunden finden Sie unter Unterrichtsideen.

Ein weiteres Argument aus dem Papier passt gut in jede Gesamtkonferenz: Programmieren ist auch eine Frage von Mündigkeit. Wer versteht, wie Software entsteht, kann digitale Systeme durchschauen, statt ihnen ausgeliefert zu sein.

Was die Bildungsministerkonferenz dazu sagt

Auch die Länder haben sich positioniert. Im Oktober 2024 hat die Bildungsministerkonferenz eine Handlungsempfehlung zum Umgang mit KI in schulischen Bildungsprozessen beschlossen. Leitgedanke ist ein konstruktiv-kritischer Umgang mit KI. Zwei der fünf Themenbereiche betreffen die Fachschaft direkt:

  • Prüfungskultur: Prüfungsformate sollen so angepasst werden, dass sie die Kompetenzen zur Nutzung von KI berücksichtigen und die Leistungsbewertung transparent und fair bleibt.
  • Professionalisierung: Aus- und Fortbildung von Lehrkräften sollen den Umgang mit KI systematisch einbeziehen.

Die Empfehlung ist ein gemeinsamer Orientierungsrahmen der Länder. Wie Ihr Land das im Bildungsplan Informatik umsetzt, sollten Sie in den jeweiligen Vorgaben nachlesen.

Was das für Ihren Unterricht bedeutet

Prüfen Sie Ihre Kompetenzraster und Aufgaben darauf, ob sie noch etwas messen, das eine KI nicht in Sekunden erledigt. Verschieben Sie den Schwerpunkt vom fertigen Produkt auf den Prozess: Vorhersagen, Testprotokolle, Fehleranalysen und mündliche Code-Erklärungen zeigen, was Lernende verstanden haben. Beschreiben Sie in der Fachschaft gemeinsam, welche KI-Nutzung bei welcher Aufgabe erlaubt ist und wie Lernende sie kennzeichnen.

Das ist keine Aufgabe für eine einzelne Lehrkraft. Lernziele, Bewertungsraster und Prüfungsformate wirken nur, wenn die Fachschaft sie gemeinsam trägt. Wenn das Thema die ganze Schule betrifft, kann ein Pädagogischer Tag zu KI der passende Rahmen sein.

Sie möchten Lernziele und ein gemeinsames Bewertungsraster mit Ihrer Fachschaft erarbeiten? Fragen Sie unverbindlich eine Fortbildung für die Fachschaft Informatik an. Alle Formate finden Sie auch unter Fortbildung.

Sie planen für die ganze Schule? Zu diesem Thema bieten wir einen Pädagogischen Tag, eine schulinterne Fortbildung oder eine Fortbildung für die Fachschaft an.

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